Achtsamkeit auf den Atem 


Warum Achtsamkeit

Geschichte der zwei Mönche am Fluss

„Zwei Mönche kamen auf dem Heimweg an das Ufer eines reißenden Flusses, an dem eine junge Frau stand, die den Fluss nicht alleine überqueren konnte. Einer der Mönche nahm sie auf den Arm und trug sie sicher an das andere Ufer. Die beiden Mönche setzten ihren Weg fort. Der Mönch, der den Fluss alleine überquert hatte, konnte schließlich nicht länger an sich halten und begann, seinen Bruder zu tadeln. „Du weißt, dass es gegen unsere Regeln verstößt, eine Frau zu berühren? Du hast gegen das heilige Gelübde verstoßen.“ Der andere Mönch antwortete: „Bruder, ich habe die Frau am Ufer des Flusses abgesetzt., Du trägst sie aber noch immer.“

Zen- Geschichte

 

Hast du dir schon mal bewusst vorgenommen, dir Sorgen zu machen, schlechte Laune zu haben oder in irgendwelchen Bewertungen und Urteilen zu verweilen? Wahrscheinlich nicht…

Unsere Gedanken folgen ihren ganz eigenen Regeln, tauchen automatisch und meist unaufgefordert auf und bleiben auch solange sie wollen … Wir denken, wir planen, wir sorgen uns. Es hört nicht auf, ein ununterbrochenes Geplapper, das scheinbar ein Eigenleben führt und uns suggeriert, wir wüssten ganz genau, wie die Welt sein sollte, wie wir uns fühlen sollten und wie andere sich verhalten sollten.

Doch die Realität sieht meist ganz anders aus:

„Ich fühle mich nicht unbedingt so, wie ich es möchte und die Welt und die anderen passen sich meinen Wünschen nicht unbedingt an.“

Da ist Frust, oder wie der Buddha sagt Leid, vorprogrammiert und weil wir dieses Leid nicht fühlen wollen, sondern schnellstens wieder loswerden wollen, denken wir jetzt auch noch über all das (was vermeintlich nicht richtig läuft) nach und versuchen verzweifelt die Kontrolle zu behalten oder zurückzugewinnen… dadurch hört aber weder das Denken noch der Frust auf, denn die meiste Zeit konzentrieren sich unsere Gedanken auf Schwierigkeiten, die es aktuell noch gar nicht gibt und die höchstwahrscheinlich auch gar nicht auftreten werden.

 

Um es in ein Bild zu bringen:
Unser Geist ist in seinem normalen (sagen wir mal unachtsamen) Zustand wie ein Glas voll mit schlammigem schmutzigem Wasser. Unsere Gedanken wirbeln herum und sind chaotisch; Wenn wir jedoch begreifen, dass wir das Glas einfach abstellen können und nicht immer weiter aufrühren müssen, setzt sich der Schmutz ab und das Wasser wird klar.
Das heisst: Wenn wir unserem Verstand nur die Chance dazu geben, wird er sich auf natürliche Weise beruhigen, klar und auch heiter werden – genau wie das schlammige Wasser.
Und genau diese Klärung können wir über die Achtsamkeitslenkung auf den Atem einleiten.
Indem wir unsere Aufmerksamkeit auf unseren Atem lenken, verbinden wir uns ganz mit dem Moment, mit dem JETZT. Wir vertrauen uns dem gegenwärtigen Augenblick an, so wie er ist, ohne uns auf später vorzubereiten oder etwas Vergangenes noch einmal zu durchleben.


Warum der Atem

weil der Atem immer da ist

Wir brauchen uns mit dem Atem nichts vorzustellen. Wir brauchen kein Mantra, kein äußeres Objekt, auf das wir unsere Aufmerksamkeit richten- es ist alles da, in uns. Der Atem ist eine Art Tor, durch das wir jederzeit zu uns selbst zurückkehren können.

Den Atem zu betrachten heißt, das Leben selbst zu betrachten“, sagt Larry Rosenberg in seinem Buch „Mit jedem Atemzug“.

Dort erzählt er auch eine alte indische Geschichte: „Die fünf Sinne und der Geist trafen sich zu einer Konferenz und konnten sich nicht einigen, wer den Vorsitz übernehmen soll. Das Sehen zauberte die lieblichsten Bilder hervor, das Hören ließ himmlische Melodien erklingen, der Geist spann weise und tiefe Theorien, und der Geruchssinn verströmte verführerische Düfte, die der Geschmackssinn mit delikaten Aromen zu übertrumpfen versuchte. So konkurrierten sie miteinander, bis der Atem leise vorschlug, er könne den Job übernehmen.Die anderen bemerkten ihn gar nicht und stritten weiter, sodass sich der Atem allmählich enttäuscht zurückzog. Plötzlich wurden die Bilder blasser, der Geschmack fade und die Klänge verstummten. „Komm zurück“ riefen Sinne und Geist, „Wir brauchen dich!“ und überließen dem Atem den Vorsitz.“

Unser Atem drückt unsere Gefühle aus

➡️ so gibt uns unsere Sprache viele Hinweise über die Verbindung von Atem und Gemütszustand. Wir sagen bsp.weise, dass uns

der Atem stockt

wir vor Anstrengung ganz atemlos sind

wir erstmal wieder zu Atem kommen müssen

oder wir endlich wieder frei atmen können….

und er verbindet uns aber auch wieder mit unseren Empfindungen und wir können über die achtsame Wahrnehmung, Einfluss auf unser Wohlergehen nehmen.

Die Beobachtung des Atems kann uns aber auch etwas über unsere Verbundenheit mit der Welt beibringen


Wir nehmen den frischen Sauerstoff auf, den Pflanzen produzieren und bieten ihnen dafür das Kohlendioxid, das sie brauchen. Wir sind aufeinander angewiesen.

So schreibt James Nestor in seinem wunderbaren Buch „Breath“:

„Der Atem ist die intimste Verbindung mit der Umgebung, die wir haben.  Alles, was Sie oder ich oder jedes andere atmende Lebewesen je in den Mund genommen haben, in die Nase bekommen oder durch die Haut aufgenommen haben, ist vielfach verbrauchter Sternenstaub und mindestens 13,8 Milliarden Jahre alt. Diese verstreue Materie ist von Sonnenlicht aufgebrochen, durch das ganze Weltall verteilt und wieder zusammengeschmolzen worden. Sie einzuatmen bedeutet, sich mit dem zu tränken, was uns umgibt, kleine Stücke Lebens ins sich aufzunehmen, sie zu verstehen und kleine Stücke unserer selbst in die Umgebung abzugeben. Atmung heißt im Grunde antworten.“

Indem wir uns auf den Atem konzentrieren, können wir uns der Zeit bewusst werden

Wir erleben, dass jeder Atemzug bemerkenswert einzigartig ist, genauso wie jeder Moment, der ihn enthält, einzigartig ist.

Der Atem erlaubt uns, aber vor allem unsere komplizierte Gedankenwelt loszulassen

Wenn wir uns ständig in unseren Gedanken verlieren, können wir kaum Frieden erfahren. Die Achtsamkeitspraxis hilft uns, besser mit unseren Gedanken umzugehen. Auf diese Weise entsteht Raum und Gelassenheit gegenüber der aktuellen Lebenssituation.

➡️ Indem wir unsere Achtsamkeit immer wieder auf unseren Atem richten, ankern wir uns in der Gegenwart.

 Und genau darum geht es: Um das „Gewahrsein des gegenwärtigen Augenblicks“.

‼️ Es geht aber nicht darum, den Atem in irgendeiner Weise zu lenken, also auf eine ganz bestimmte Art und Weise zu atmen, sondern um unsere Haltung, die wir dem gegenwärtigen Augenblick entgegenbringen.

Langeweile

Leider gibt es bei der Praxis aber noch ein weiteres Hindernis, nämlich das Problem mit der Langeweile: Als moderne Menschen sind wir es gewöhnt, ständig stimuliert zu werden. Bei der Vorstellung, 15 – oder sogar 5 – Minuten lang still zu sitzen und auf unseren Atem zu achten, schreckt der Großteil von uns zurück.
Wir unterliegen der irrigen Annahme, dass unsere Langeweile durch unsere Umstände verursacht wird. Wir denken, dass die Situation, in der wir uns befinden, einfach nicht interessant (genug) ist.

➡️ Die Achtsamkeitstraditionen hingegen sehen Langeweile als eine Folge von Unaufmerksamkeit.

➡️ Heisst: wir langweilen uns eigentlich nur, wenn wir unser volles Bewusstsein von dem abziehen, was wir gerade erleben. Spannend, oder?

➡️  Langeweile entsteht nicht durch unsere äußeren Umstände, sondern durch unseren eigenen Verstand.

➡️ Und so ist das Gegenmittel gegen Langeweile, die volle Aufmerksamkeit- das gilt es zu begreifen und zu lernen!

➡️ Wenn wir unsere Angst vor Langeweile aufgeben und unsere volle Aufmerksamkeit auf unseren Atem richten können, werden wir wahrscheinlich erstaunt sein, was wir alles dabei entdecken werden. Wir können bemerken, was für ein angenehmes Gefühl entspanntes Atmen mit sich bringt.

‼️ Wenn wir uns ganz auf das einfache Vergnügen des Atmens einlassen können, werden wir ganz bestimmt mit einem Gefühl der Vollständigkeit belohnt werden.


Namaste 🙏

Deine Marion